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Wissenschaftliches Update 23. November 2021

Zusammenfassung

Seit Mitte November 2021 nehmen die gemeldeten SARS-CoV-2 Fälle in der Schweiz zu mit einer Verdopplungszeit von rund zwei Wochen (Abschnitt 1 unten). Dies entspricht einer wöchentlichen Zunahme von rund 40%. Es wurde erwartet, dass die Belastung in den Spitälern zeitverzögert mit der gleichen Dynamik zunimmt. In der Tat steigt nun auch die Zahl der neuen Hospitalisierungen aktuell um 40% pro Woche und somit erwarten wir eine Verdopplung der neuen Hospitalisierungen nach zwei Wochen. Weiter sind momentan rund 160 IPS Betten belegt mit einer wöchentlichen Steigerung von 20% (12-28%). Wir legen dar (Abschnitt 4 unten), dass es ab rund 200 COVID-19 Patient:innen auf der Intensivstation zur Verschiebung von Eingriffen kommt. Ab rund 300 COVID-19 Patient:innen auf der Intensivstation kann die gewohnte Behandlungsqualität nicht mehr aufrecht erhalten werden und implizite Triage findet statt. Diese Grenze wird bei gleichbleibender Dynamik im Laufe des Dezembers erreicht sein. Insgesamt berechnen wir, dass die zukünftige potentielle Krankheitslast in der selben Grössenordnung ist wie die gesamte bisherige Krankheitslast, was auch Abschätzungen für Deutschland entspricht[1].

Die epidemiologische Situation in der Schweiz entwickelt sich im Moment ähnlich wie die Situation in Österreich, mit einer zeitlichen Verzögerung von rund 3-5 Wochen (Abschnitt 3 unten). Die bestätigten Fälle wie auch die Spitalbelegung und Intensivbettenbelegung nahmen in den vergangenen Wochen in beiden Ländern mit einer ähnlichen Rate zu. Die momentane Situation basierend auf Fallzahlen ist mit der Situation in Österreich von vor rund 3 Wochen vergleichbar. Basierend auf Spitaldaten ist die Situation in der Schweiz mit der Situation in Österreich vor rund 5 Wochen vergleichbar. Bei gleichbleibender Dynamik erwartet man also, dass in der Schweiz im Laufe des Dezembers eine ähnliche epidemiologische Situation vorliegen wird wie aktuell in Österreich.

Erst, Zweit, und Drittimpfungen vermeiden Krankheitsfälle nachhaltig (Abschnitt 2 unten). Das bisherige primäre Ziel der Impfkampagne war, Menschen vor einem Spitaleintritt zu schützen. Eine Analyse von Daten aus der Schweiz sowie internationalen Daten zeigt Folgendes: Kurz nach der zweiten Impfdosis beträgt der Schutz vor Hospitalisation 90-95%; das bedeutet, dass Ungeimpfte nach einer Infektion 10- bis 20-mal wahrscheinlicher aufgrund von COVID-19 hospitalisiert werden müssen als Geimpfte. Nach 4-6 Monaten ist der Schutz in der älteren Bevölkerung auf rund 60-80% abgefallen (dh Ungeimpfte müssen 3- bis 5-mal wahrscheinlicher hospitalisiert werden als Geimpfte), was zu vermehrten Spitalaufenthalten von doppelt Geimpften in dieser Altersklasse führt. In der jüngeren Bevölkerung ist der Schutz noch hoch, zeigt aber inzwischen in internationalen Daten auch Anzeichen für eine leichte Abnahme. Mit dem Verabreichen einer dritten Impfdosis wird dieser Schutz wieder auf mindestens 95% angehoben werden. Damit haben Menschen nach einer dritten Impfdosis ein 20-mal kleineres Risiko als Ungeimpfte, nach einer Infektion hospitalisiert zu werden.

Die dritte Impfung verfolgt zwei Ziele (Abschnitt 1 unten und neuer Policy Brief[2]. Ein erstes Ziel ist eine Reduktion der Spitaleintritte wegen COVID-19 durch die Wiederherstellung des 95-prozentigen Schutzes vor Hospitalisationen.  Wenn die meisten doppelt Geimpften eine dritte Impfdosis erhalten, bevor sie infiziert werden, könnten damit in der Schweiz rund 10’000-20’000 Hospitalisierungen bei Menschen über 70 Jahre verhindert werden. Alle noch nicht geimpften Menschen doppelt zu impfen bevor sie infiziert werden reduziert die Krankheitslast ebenfalls um 10’000-20’000 Hospitalisierungen.

Ein zweites wichtiges Ziel der dritten Impfung ist, die Zahl der Infektionen zu senken (Abschnitt 1 unten und Policy Brief[2]. Unmittelbar nach doppelter Impfung mit einem mRNA-Impfstoff liegt der Schutz vor Infektion bei 90-95%. Dies bedeutet, dass ein Ungeimpfter 10-20-mal wahrscheinlicher mit SARS-CoV-2 infiziert wird als ein Geimpfter. Nach 6 Monaten ist der Schutz auf rund 50% abgefallen. Dies bedeutet, dass ungeimpfte Menschen doppelt so wahrscheinlich mit SARS-CoV-2 infiziert werden als Geimpfte. Alle Menschen, die im Frühsommer geimpft wurden, haben daher inzwischen ein deutlich erhöhtes Risiko, angesteckt zu werden. Gesundheitspersonal, welches deutlich früher geimpft wurde und eine hohe Exposition hat, ist im Besonderen einem hohen Risiko ausgesetzt. Durch eine dritte Impfdosis kann der Schutz wieder auf 95% erhöht werden. Dieser Effekt schützt Individuen vor einer Ansteckung mit möglichen akuten oder langfristigen Gesundheitseinschränkungen und trägt bei zu einer Verlangsamung der epidemischen Welle in der Schweiz.

Das Ausmass des positiven Effekts einer dritten Impfdosis auf Hospitalisationen und Ansteckungen hängt von der Impfgeschwindigkeit ab. Ende Dez. 2021 werden 37% der Menschen vor mehr als 6 Monaten doppelt Geimpft worden sein[3]. Es müssten also im Schnitt 1% der Menschen pro Tag bis Jahresende eine Auffrischungsimpfung erhalten, um allen seit 6 Monaten doppelt geimpften Menschen bis Ende 2021 eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen.

Um das Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten und Kinder wie auch Personen mit ungenügendem Schutz durch die Impfung zu schützen, ist neben den Erst-, Zweit- und Drittimpfungen eine Reduzierung der Situationen mit hohem Risiko für eine Virusübertragung wirksam. Die wirksamen Werkzeuge, welche zum Ziel haben, Schliessungen abzuwenden, wurden schon wiederholt diskutiert (z.B. Abschnitt 3.1 in [4]). Wirksam sind, neben einer allgemeinen Reduktion der Zahl der Kontakte mit hohem Übertragungsrisiko, eine Kombination von Masken, Abstand, gute Lüftung, Zertifikate und regelmässigen Tests. Bei den Zertifikaten ist zu beachten, dass bei 3G die Getesteten keinen Schutz vor Infektion haben und daher konsequentes Maskentragen bei hoher Viruszirkulation naheliegend ist (Abschnitt 3.1 in [4]). Bei Veranstaltungen nur mit Geimpften und Genesenen (2G) sind die Teilnehmenden mindestens noch rund 50% vor Infektion geschützt, auch wenn die Impfung länger zurückliegt (Abschnitt 1 unten). Generell kann – wenn auf Masken verzichtet werden muss – die dritte Impfung oder ein Test auch von Geimpften und Genesenen die Zahl der Ansteckungen an Veranstaltungen weiter reduzieren.

Kinder können sich noch nicht selbst mit Impfung vor Infektion schützen (Abschnitt 6 unten). In Schulen kann das Risiko grosser Ausbrüche mit Masken, regelmässigen Tests und Lüften mit Hilfe von CO2 Sensoren reduziert werden (Abschnitt 3.2 in Wiss. Update 17.8.21,[4] und Abschnitt 2 in Wiss. Update 21.9.21,[5]). Kinder können weiter durch eine dritte Impfung der Bezugspersonen vor Infektion geschützt werden bis sie selbst die Möglichkeit einer Impfung haben werden. Mit einer Impfung werden sich Kinder vor Infektion selbst schützen können und damit gleichzeitig die Viruszirkulation weiter bremsen. In den USA sind schon mehr als 1 Million Kinder geimpft worden. In der Schweiz haben Moderna und BioNTech bei Swissmedic eine Zulassung zur Impfung von Kindern unter 12 Jahren eingereicht,[6] (Moderna 6-11 Jahre, BioNTech 5-11 Jahre).

Zusammenfassend zeigt sich, dass eine Reduktion der Ansteckungen – und damit eine Verlangsamung der epidemischen Welle in der Schweiz – eine Reihe von gewichtigen Vorteilen mit sich bringt. Erstens erlaubt das den Menschen, sich mit einer dritten Dosis zu impfen bevor sie infiziert werden, und damit wesentlich besser geschützt zu sein gegen Krankheit und Hospitalisation. Damit wird die Zahl der zu erwartenden Erkrankungen und Hospitalisationen nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, sondern wirklich nachhaltig reduziert. Zweitens verlangsamt sich die Ausbreitung und damit die Belastungsspitze im Gesundheitswesen. Dies weil mehr Menschen ein drittes Mal geimpft werden können und weil die sich trotzdem ereignenden Hospitalisationen (in Ungeimpften wie auch in Geimpften) über einen längeren Zeitraum verteilen. Drittens erhöht das die Chance, dass ein geregelter Schulbetrieb aufrechterhalten kann und dass Kinder, die das wollen, sich impfen lassen können bevor sie infiziert werden.

Detaillierte Darlegungen

1 Epidemiologische Situation

Allgemeine Situation

Die SARS-CoV-2-Epidemie wird zurzeit fast ausschliesslich durch die Delta-Variante verursacht, die im Sommer die zuvor zirkulierenden Varianten abgelöst hat. Die Zahl der Fälle und Krankenhausaufenthalte stieg zwischen Ende Juni und Mitte August 2021 an, stabilisierte sich dann einen Monat lang auf hohem Niveau, und ging Anfang September 2021 wieder zurück. Seit Mitte Oktober 2021 steigen die Fallzahlen wieder signifikant. Dieser Anstieg ist seit vorletzter Woche in jeder einzelnen Grossregion signifikant. Die Fallzahlen stiegen die letzten Wochen mit rund 40% pro Woche (momentan 40%, 95%-Unsicherheitsinterval UI27-54%). Seit dieser Woche steigen auch die Hospitalisierungen mit 40% pro Woche (95% UI: 23-61%) signifikant an. Dies wurde basierend auf dem Anstieg der Fallzahlen so erwartet. Ebenso steigt seit letzter Woche auch die Belegung der Intensivstationen mit COVID-19 Patienten signifikant an, mittlerweile mit einer Rate von 20% (95% UI: 12-28%) pro Woche.

Simulationsstudien des ECDC sagen für europäische Länder mit einer Impfdeckung ähnlich der Schweiz voraus, dass die Maximal-Last der Hospitalisierungen bis Ende November 2021 die Maximal-Last des letzten Jahres übersteigen könnte[7]. Nachdem der Anstieg der Epidemie in der Schweiz diesen Herbst später begann als im Herbst 2020 und auch später als in anderen mitteleuropäischen Ländern wird für Ende November in der Schweiz noch keine Überschreitung der bisherigen Maximal-Last erwartet. Solch ein Szenario ist aber über den Winter nicht auszuschliessen. Die beobachtbare rasche Zunahme der Hospitalisationen wird für das immer noch stark belastete Gesundheitswesen sehr schwierig zu bewältigen sein.

Dynamik

Von Anfang September bis Ende Oktober 2021 nahm die SARS-CoV-2-Epidemie ab (Re<1). Seit Ende Oktober 2021 aber ist die Schätzung des R-Wertes wieder signifikant über 1. Der 7-Tageschnitt der schweizweiten Reproduktionszahl ist bei 1,34 (95% Unsicherheitsintervall, UI: 1,25-1,44); dies reflektiert das Infektionsgeschehen vom 06.11. – 12.11.2021[8].

Tagesbasierte Schätzungen der effektiven Reproduktionszahl Re für die Schweiz betragen:

  • 1,33 (95% UI: 1,24-1,42) aufgrund der bestätigten Fälle, per 12.11.2021.           
  • 1,24 (95% UI: 1,07-1,42) aufgrund der Hospitalisationen, per 06.11.2021. Zum Vergleich    aufgrund der bestätigten Fälle wird Re für den selben Tag auf 1,35 (95% UI: 1,26-1,43) geschätzt.           
  • 1,22 (95% UI: 0,82-1,7) aufgrund der Todesfälle, per 31.10.2021. Zum Vergleich aufgrund der Hospitalisationen wird Re für den selben Tag auf 1,2 (95% UI: 1,02-1,41) geschätzt. Aufgrund der bestätigten  Fälle wird Re für den selben Tag auf 1,28 (95% UI: 1,21-1,35) geschätzt.

Wegen Meldeverzögerungen und Fluktuationen in den Daten könnten die Schätzwerte nachkorrigiert werden. Wir weisen darauf hin, dass die Re Werte das Infektionsgeschehen nur verzögert widerspiegeln, weil eine gewisse Zeit vergeht zwischen der Infektion und dem Testresultat oder dem etwaigen Tod. Für Re Werte, die auf Fallzahlen basieren, beträgt diese Verzögerung mindestens 10 Tage, für Todesfälle bis zu 23 Tagen.

Parallel bestimmen wir die Änderungsraten der bestätigten Fälle, Hospitalisationen und Todesfälle über die letzten 14 Tage[9]. Die bestätigten Fälle stiegen um 40% (UI: 55% bis 27%) pro Woche, die Hospitalisationen um 41% (UI: 61% bis 23%) und die Todesfälle um 28% (UI: 95% bis -16%). Diese Werte spiegeln das Infektionsgeschehen vor mehreren Wochen wider.

Die Entwicklung der Fallzahlen, Hospitalisierungen und Todesfällen stratifiziert nach Alter kann auf unserem Dashboard verfolgt werden[10]. Die Zahl der Fälle ist in allen Altersgruppen signifikant steigend. In den Altersgruppen der 0-9-Jährigen ist dieser Anstieg mit 56% pro Woche am höchsten, in den über 80-Jährigen mit 22% pro Woche am niedrigsten. Hospitalisierungen stiegen über die letzten 14 erfassten Tage signifikant in den Altersgruppen der 30-39, 60-69 und über 80-Jährigen. Die täglichen Hopsitalisierungen sind in jeder Altersklasse noch vorwiegend einstellig, was die Schätzung ihrer ihrer zeitlichen Trends erschwert.

Absolute Zahlen

Die kumulierte Anzahl der bestätigten Fälle über die letzten 14 Tage liegt bei 681 pro 100’000 Einwohner. Die Positivität liegt bei 12,5% (Stand 19.11.2021, das ist der letzte Tag für welchen nur noch wenige Nachmeldungen erwartet werden). Die Zahl der täglich neu hospitalisierten Menschen ist im 7-Tage Mittel über 50. Hospitalisiert werden momentan überwiegend Menschen, die sich in der Schweiz angesteckt hatten (Abb. 1). Die Anzahl der COVID-19-Patient:innen auf Intensivstationen lag über die letzten 14 Tage im Bereich von 140-191[11] Personen; die Änderung war 20% (UI: 28% bis 12%) pro Woche. Die Zahl der täglichen laborbestätigten Todesfälle lag  über die letzten 14 Tage zwischen 2 und 13[12].

Neue Varianten

Seit Kalenderwoche 26 ist Delta die dominante Variante in der Schweiz. Diese ursprünglich in Indien beschriebene Variante hat seit der Kalenderwoche 38 eine Häufigkeit von 100% unter den sequenzierten Fällen[13]. Aus diesem Anstieg der Häufigkeit von Delta in der Schweiz kann man einen Transmissionsvorteil gegenüber Alpha von 58% (95% UI: 56-60%) berechnen, konsistent mit Schätzungen des Übertragungsvorteils von 56% (95% UI: 34%-81%) aus England[14]. Wegen dieses Übertragungsvorteils dominiert Delta jetzt die Pandemie in vielen Teilen der Welt.

Am 20. Oktober 2021 deklarierte Public Health England AY.4.2, eine Untervariante von Delta, zu einer „variant under investigation“ (VUI-21OCT-01)[15]. In England wurde der Wachstumstvorteil von AY.4.2 auf 17% gegenüber anderen Delta-Untervarianten geschätzt. AY.4.2 hatte dort in der Kalenderwoche 40 eine Häufigkeit von 5.9%[16]. Diese Variante wurde in der Schweiz in den letzten 2 Monaten rund 70 Mal gefunden und die Häufigkeit war in Kalenderwoche 44 0.4%[17].

Delta verursacht schwerere Verläufe als die zuvor in der Schweiz dominierenden Stämme. In einer grossen Studie in England hatten Patient:innen mit Delta im Vergleich zu Patient:innen mit Alpha ein mehr als doppelt so hohes Hospitalisierungsrisiko[18]. Ein ähnlicher Anstieg des Risikos wurde in Schottland[19] und in Kanada[20] beobachtet.

Impfschutz durch zwei Impfdosen über die Zeit

Die Impfung hat mehrere Wirkungen: sie schützt vor der Infektion, davor, dass man die Infektion weitergibt (Transmission), und vor schweren Verläufen und dem Tod. Es ist wichtig diese verschiedenen Wirkungen auseinander zu halten, weil sie verschieden schnell über die Zeit und Altersgruppen abnehmen. Man kann also sowohl die Verbreitung als auch die Krankheitslast durch Impfstoffe verringern. Welches dieser beiden Ziele man in den Vordergrund stellt, entscheidet über die Impfstrategie, also welche Altersgruppen man wann impft, und ob und wann man eine dritte Dosis einsetzt.

Im Folgenden stellen wir kurz dar, was man über diese Impfwirkungen und ihre zeitliche Abnahme weiss:

Schutz durch zwei Impfdosen vor Infektion (symptomatisch und asymptomatisch)

Die Wirksamkeit der Impfung auf Infektionen, einschliesslich asymptomatischer Infektionen, ist schwierig abzuschätzen, weil gerade asymptomatische Infektionen schwer zu erfassen sind. Es gibt übereinstimmende Hinweise auf eine geringere Wirksamkeit von mRNA-Impfstoffen gegen SARS-CoV-2-Delta-Infektionen, einschliesslich asymptomatischer Infektionen. Die Wirksamkeit gegen Infektion des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer ist laut Daten aus Israel bei 39% (95% UI: 9-59%)[21]; und laut Daten aus Schottland bei 79% (95% UI: 75-82%)[22]. In einem Bericht der REACT-Studie wird die Impfwirksamkeit gegen Infektionen von 49% (95% UI: 22-67%) errechnet[23](hierbei wurde nicht zwischen den in England verwendeten Impfstoffen unterschieden).

Schutz durch zwei Impfdosen vor symptomatische Infektion

Der Impfschutz gegen symptomatische Infektionen mit Delta ist, verglichen mit den 2020 vorherrschenden Virusvarianten und Alpha, reduziert. In den Zulassungsstudien wurde die die Wirksamkeit gegen die 2020 vorherrschenden Virusvarianten für BioNTech/Pfizer auf 95% (95% UI: 90-98%) geschätzt[24] und für Moderna auf 94% (95% UI, 89-97%)[25]. Gemäss einem Bericht von Public Health England[26] ist die Wirksamkeit von 89% (95% UI: 87-90%) gegen Alpha auf 79% (95% UI: 78-80%) gegen Delta gesunken (siehe auch[27],[28]; BioNTech/Pfizer). Aus kanadischen Daten ergibt sich eine Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen mit Delta von 85% (95% UI: 78-89%)[29](BioNTech/Pfizer und Moderna). Eine Studie aus Kalifornien[30], schätzt die Wirksamkeit des Impfstoffs von Moderna gegen Infektionen mit Delta auf 87% (95% UI: 84-89%), gegen Infektion mit Alpha auf 98% (95% UI: 97-99%). Gemäss dieser Studie fiel die Wirksamkeit gegen Delta nach fünf Monaten auf 80% (95% UI: 70-87%). Zwei Studien aus Israel schätzen eine Wirksamkeit für BioNTech/Pfizer von nur 40% (95% UI: 9-61%) sechs Monate nach der zweiten Impfdosis[31] beziehungsweise eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit von Durchbruchsinfektionen nach drei Monaten[32]. Eine neue Studie aus Schweden[33] schätzt für den Impfstoff von BioNTech/Pfizer einen Abfall des Schutzes gegen symptomatische Infektion von 92% (95% UI: 92-93%) zwei bis vier Wochen nach der Impfung auf auf einen statistisch nicht signifikanten Impfschutz nach 210 Tagen. Für den Impfstoff von Moderna reduzierte sich der Schutz von 96% (95% UI:94-97%) zwei bis vier Wochen nach der Impfung auf 59% (95% UI: 18-79%) nach 180 Tagen. Die Schätzungen in dieser Studie beziehen sich vor allem auf die Delta-Variante. Zusammenfassend bedeutet dies: 6 Monate nach doppelter Impfung mit einem mRNA-Impfstoffe ist das Risiko, sich mit der Delta-Variante zu infizieren, schätzungsweise halbiert im Vergleich zu nicht geimpften Menschen.

Schutz durch zwei Impfdosen vor schwerer Erkrankung / Hospitalisierung

Der Impfschutz gegen schwere Erkrankung ist auch für die Delta-Variante anfänglich hoch. Die Wirksamkeit liegt bei ungefähr 96% (95% UI: 91-98%) basierend auf Daten aus Grossbritannien>[34],[35], und 88% (95% UI: 78,9-93,2%) basierend auf Daten aus Israel[36]. Diese Schätzungen beziehen sich auf den Schutz, den Geimpfte gegenüber Ungeimpften haben, und sind nicht für die verschiedenen Impfstoffe, die in diesen Ländern verwendet werden, aufgelöst. Gemäss einem Preprint[37] basierend auf Daten aus Kalifornien schützt der Impfstoff von Moderna zu 98% (95% UI: 93-99%) vor einer Hospitalisation nach einer Infektion mit der Delta-Variante. Gemäss einer Studie aus Israel[38] , den Analysen von Public Health England[39] und einer Studie aus Schweden[40] scheint der Schutz vor schweren Erkrankungen über die Zeit abzufallen. In Abschnitt 2 zeigen wir entsprechende Analysen, die auf Schweizer Daten beruhen und zu vergleichbaren Schlussfolgerungen führen.

Schutz durch zwei Impfdosen vor Transmission

Die Impfung verhindert die Weiterverbreitung des Virus durch mindestens zwei Mechanismen: erstens durch die Verringerung der symptomatischen und asymptomatischen Infektionen und damit der Zahl der infizierten Personen (siehe oben); und zweitens durch die Verringerung der Weiterverbreitung durch diejenigen, die sich trotz Impfung infizieren. Tatsächlich überträgt eine geimpfte Person das Virus selbst bei einer Infektion seltener als eine nicht geimpfte Person. Ein Preprint[41] beschreibt eine Studie, in der geschätzt wurde, dass das Übertragungsrisiko bei einer Durchbruchsinfektion mit der Delta-Variante nach zwei Injektionen des mRNA-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer um etwa 66% geringer ist als bei Ungeimpften (das bedeutet, dass ungeimpfte Infizierte 3 Mal soviel übertragen wie geimpfte Infizierte). Die genauen Gründe für diesen Schutz sind nicht bekannt; er könnte zum Beispiel durch eine kürzere infektiöse Phase[42] oder durch eine geringere Menge infektiöser Partikel des abgegebenen Virus bei geimpften Personen[43] erklärt werden. Der Schutz nimmt in den ersten 3.5 Monaten nach zwei Impfdosen auf rund 20% ab.

Wirkung der dritten Impfdosis

Schutz der dritten Impfdosis vor Infektion

Eine Reihe von Studien zeigen, dass eine dritte Impfdosis den Schutz vor Infektion verbessert. Studien aus Israel beobachten, dass der Schutz vor der Infektion sich durch eine dritte Impfdosis von rund 50% auf mindestens 95% in allen Altersgruppen[44] und auch in über 60-Jährigen[45] erhöht. Gemäss einem neuen Preprint aus England erhöht eine dritte Dosis des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer den Schutz vor symptomatischer Infektion in über 50-Jährigen auf 94% (95% UI:93-95%)[46]. Die Verbesserung ist konsistent mit zwei Preprints[47], [48], die beschreiben, dass eine dritte Impfdosis das Level neutralisierender Antikörper um das 10-fache erhöht (verglichen mit dem Level unmittelbar vor der dritten Impfdosis). Gleichzeitig ist im Falle einer Infektion die Viruslast reduziert[49] und dadurch wahrscheinlich auch die Weitergabe der Infektion nach einer dritten Impfdosis.

Zusammengefasst steigt der Schutz gegen Infektion von rund 2-fach auf 20-fach durch eine dritte Impfung, im Vergleich zu Ungeimpften in allen Altersgruppen.

Schutz vor Hospitalisierung

Der Schutz vor der Hospitalisierung durch eine dritte Impfdosis wurde für Personen über 40 Jahre auf 93% geschätzt verglichen mit einer Kontrollgruppe die vor länger als 5 Monaten ihre zweite Impfdosis erhalten hatten[50] und in über 60-Jährigen auf 95%[51]. Insbesondere wird der Schutz in den über 80-Jährigen von 80% auf 95% erhöht[52]. Im Abschnitt 2 schätzen wir ab, wie viele Hospitalisationen in der Schweiz potentiell verhindert werden können durch das Verimpfen einer dritten Dosis.

Ziele einer Impfkampagne

Das primäre Ziel der Schweizer Impfkampagne war, einen raschen Schutz für die Menschen gegen schwere Verläufe zu erzielen. Daher wurden zwei Impfdosen mit sehr kurzem Abstand (meist 3-4 Wochen) verabreicht. Bei anderen nicht-replikationsfähigen Impfstoffen gilt die Grundimmunisierung erst mit einer dritten Dosis nach 6-12 Monaten als abgeschlossen (z.B. Hepatitis A und B, FSME, Haemophilus influenzae type B, Poliovirus, Diphterie, Tetanus oder Pertussis). Eine dritte Impfdosis ist deshalb nicht aussergewöhnlich und könnte zu einem dauerhafteren Schutz in allen Altergruppen führen, so dass möglicherweise in der breiten Bevölkerung jährliche Auffrischungs-Impfungen nicht notwendig wären. Langfristig könnten, nach einem Impfschema mit drei Dosen, milde natürliche Infektionen möglicherweise einen breiten Schutz auch gegen neue Varianten erzeugen und den Übergang zur Endemizität von SARS-CoV-2 erleichtern.

Wenn das Hauptziel der Impfkampagne die Reduzierung des individuellen Risikos einer Hospitalisierung ist, sind dritte Impfdosen in der älteren Bevölkerung momentan basierend auf den internationalen Daten wie auch den Schweizer Daten angezeigt (siehe auch Berechnungen der Task Force vom 21.9.2021: Anhang A in [53]).

Wenn die Reduzierung von Infektionen angestrebt wird, ist, basierend auf den Daten eine dritte Impfung (6 Monate nach der zweiten Impfdosis) in allen Altersklassen angezeigt (siehe auch Conclusions in Policy Brief vom 25.6.2021[54]). Diese dritten Impfungdosen wären ein effektives Werkzeug, die Zahl der Infektionen diesen Winter zu reduzieren. (Der Schutz vor Infektion steigt nach dritter Dosis von 2-fach auf 20-fach gegenüber Ungeimpften, siehe oben). In einem Positionspapier[55], das letzte Woche publiziert wurde, vertreten deutsche Wissenschaftler – unterstützt von Simulationen – die Ansicht, dass eine Booster-Kampagne bei einer Impfgeschwindigkeit von 7% pro Woche bereits nach einem Monat erste Wirkung auf die Ausbreitung der Infektionen zeigen könnte. Diese Reduktion an Infektionen erlaubt die Viruszirkulation und damit den Druck auf das Gesundheitssystem zu reduzieren. Gleichzeitig können Menschen, welche sich nicht selbst durch Impfung schützen können (zum Beispiel Kinder unter 12 Jahren), durch die dritte Impfung von Eltern oder Bezugspersonen geschützt werden – diese Bezugspersonen haben nach dritter Impfung einen 20-fachen Schutz vor Infektion und verringern daher das Risiko, Überträger zu sein. Die Vermeidung von Infektionen kann weiter die Prävalenz von gesundheitlichen Spät- oder Langzeitfolgen von COVID-19 (Long-Covid) verringern. Im Abschnitt 2 zeigen wir detaillierte Schätzungen über die Zahl der Hospitalisationen, die potentiell verhindert werden können durch eine dritte Impfdosis.

Abbildung 1. Anteil an hospitalisierten Patient:innen mit Ansteckungsort “Schweiz” (blau), “Reiserückkehrer:innen” (grün) und “unbekannt” (gelb). Datenquelle: BAG.

2. Impfstoffwirksamkeit in der Schweiz gegen Hospitalisierung

Die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Hospitalisation kann auf der Basis von Schweizer Daten abgeschätzt werden, in dem man den Anteil der Hospitalisierten in jeder Altersklasse, die geimpft sind, in Beziehung setzt mit dem insgesamten Anteil Geimpfter in dieser Altersklasse. Abbildung 2 zeigt den Anteil und die absolute Zahl der hospitalisierten Patient:innen, welche vollständig geimpft sind. Dieser Anteil ist in den letzten Wochen in den über 80-Jährigen stark gestiegen, ohne dass die Durchimpfung gleichzeitig stark gestiegen ist. Dies deutet auf einen Rückgang des Schutzes hin. In Abb. 3 und 4 wird dieser Schutz quantifiziert.

Der Impfschutz gegen Hospitalisierung betrug rund 90% oder höher in allen Altersklassen in den Monaten Juli, August und September 2021 (Abb. 3). Im Oktober und November sehen wir in der Schweiz eine Tendenz für eine Abnahme der Wirksamkeit in den älteren Altersklassen. Für November werden diese Schätzungen laufend aktualisiert. Eine Abnahme wurde basierend auf internationale Daten erwartet[56],[57] (siehe auch oben und [58]). Für den Impfschutz vor Tod sind die Unsicherheitsintervalle deutlich grösser (Abb. 4).

Abbildung 2: Anteil (oben) und absolute Zahl (unten) der hospitalisierten Patient:innen, welche vollständig geimpfte sind.

Abbildung 3: Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Hospitalisierung. Die angegebenen Zahlen sind die Zahl der Hospitalisierungen pro 100’000, die Zahlen in Klammern die absolute Anzahl Hospitalisierungen im jeweiligen Monat. Die Analyse für den November beruht nur auf Daten aus der ersten Monatshälfte. Die Fehlerbalken sind 95%-Unsicherheitsintervalle. Die schwarzen Balken (Total) unterscheiden nicht nach Alterskategorie und sind daher durch Simpson’s Paradox verzerrt[59].

Abbildung 4: Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Tod. Die angegebenen Zahlen sind die Zahl der COVID19 Todesfälle pro 100’000, die Zahlen in Klammern die absolute Anzahl COVID-19 Todesfälle im jeweiligen Monat. Die Analyse für den November beruht nur auf Daten aus der ersten Monatshälfte. Die schwarzen Balken (Total) unterscheiden nicht nach Alterskategorie und sind daher durch Simpson’s Paradox verzerrt[60].

Abbildung 5: Impfwirksamkeit gegen Hospitalisierung aufgeschlüsselt nach Moderna und Pfizer/BioNTech Impfung.

Effekt der dritten Impfung auf die Reduktion der potentiellen Hospitalisationen

Die erwartete Zahl der zukünftigen Hospitalisationen kann stark reduziert werden durch das Verabreichen einer dritten Impfdosis und durch die allgemeine Erhöhung der Impfabdeckung. In Abb. 6 schätzen wir ab, wie viele Hospitalisierungen pro Altersklasse verhindert werden können durch die Verabreichung einer dritten Impfdosis. Wie oben aufgeführt, zeigen Daten aus der Schweiz (Abb. 4) und aus Israel und Grossbritannien, dass der Impfschutz gegen Hospitalisation nachlässt besonders in den höheren Altersklassen[61], [62]. Eine dritte Impfung kann wieder einen sehr hohen Schutz herstellen. Eine Studie aus Israel zeigt, dass eine dritte Dosis die Hospitalisierung von geimpften Personen der Risikogruppen mehr als 10-fach verringert[63].

Unter der Annahme, dass der Schutz der Impfung gegen Hospitalisierung in den über 70-Jährigen auf 86% abgefallen ist und durch eine dritte Impfung wieder auf 96% angehoben wird, kann eine dritte Impfung 10’000-20’000 weitere Hospitalisierungen in dieser Altersklasse verhindern (Abb. 6).

Eine weitere Reduktion der zu erwartenden Zahl an Hospitalisationen kann durch die allgemeine Erhöhung der Impfabdeckung erreicht werden (das heisst, durch das Verabreichen von ersten und zweiten Impfdosen; Details zu Berechnungen in Appendix A des wissenschaftlichen Updates vom 26.10.2021, [64]). Abb. 6 zeigt die erwartete Reduktion der Hospitalisationen, die durch eine vollständige Impfabdeckung (1. und 2. Dosen) der Menschen in verschiedenen Altersklassen erreicht werden könnte, im Vergleich zu einer Situation, in der diese Menschen infiziert werden ohne Impfung. Dies summiert sich auf 10’000-20’000 vermeidbare Hospitalisierungen über alle Altersgruppen.

Zusammenfassend legen diese Abschätzungen nahe, dass durch das Verabreichen einer dritten Impfdosis und durch eine Erhöhung der Impfabdeckung rund 20’000-40’000 Hospitalisierungen verhindert werden können (Abb. 6). Zum Vergleich gab es in der bisherigen Pandemie in der Schweiz etwas mehr als 30’000 COVID-19-bedingte Hospitalisierungen[65].

Abbildung 6: Schätzung der Anzahl vermeidbarer Hospitalisierungen durch Impfung. Die Annahme ist, dass jede noch nicht geimpfte oder genesene Person längerfristig mit dem Virus infiziert wird. Die orangen Balken zeigen die Schätzung der Anzahl vermiedener Hospitalisierungen, wenn sich alle noch nicht geimpften oder genesenen Personen vor einer Infektion impfen lassen. In grün ist die Schätzung der Anzahl vermiedener Hospitalisierungen dargestellt, wenn Personengruppen eine 3. Impfdosis erhalten, sobald die Wirksamkeit auf 86% abgefallen ist und nach der 3. Impfdosis die Wirksamkeit von 96% wieder hergestellt ist. In den höheren Altersklassen deuten internationale[66],[67] und nationale (Abbildung 4) Daten auf eine merkliche Reduktion des Impfschutzes gegen Hospitalisationen hin. In den jungen Altersgruppen ist der Schutz gemäss Abb. 4 momentan noch hoch; daher sind die grünen Balken für die Altersklassen unter 60 hypothetisch für den Zeitpunkt, wenn die Wirksamkeit auf 86% fällt (und deshalb schraffiert dargestellt). Für Kinder und Jugendliche nehmen wir einen Schutz von 96% an wie für alle anderen Altersgruppen, jedoch kennen wir den genauen Schutz nicht. Die schwarzen Punkte zeigen die momentane Durchimpfung (mindestens eine Impfung). Dies ist eine aktualisierte Analyse basierend auf Abb. 6 im wissenschaftlichen Update vom 26.10.2021 [68].

3. Vergleich von Schweiz und Österreich

Die epidemiologische Situation in der Schweiz entwickelt sich im Moment ähnlich wie die Situation in Österreich, mit einer zeitlichen Verzögerung von rund drei Wochen. Die bestätigten Fälle und Hospitalisationen nahmen in den vergangenen Wochen in den beiden Ländern exponentiell zu mit einer ähnlichen Wachstumsrate. Dieser Umstand lässt sich veranschaulichen, wenn man die Zunahme dieser Werte über die Zeit auf einer logarithmischen Skala darstellt (Abb. 7). In dieser Darstellung folgen die bestätigten Fälle wie auch die Hospitalisationen im Moment weitgehend geraden Linien, was einem exponentiellen Wachstum mit nahezu konstanter Wachstumsrate entspricht. Die Linien für Österreich und die Schweiz sind weitgehend parallel, was zeigt, dass Ansteckungen und Hospitalisationen in beiden Ländern mit einer ähnlichen Rate wachsen.  

Österreich hat ein dreimal so hohes Infektionsgeschehen da dort die Inzidenz auch schon Ende Oktober 2021 rund dreimal so hoch war im Vergleich zur Schweiz. Insgesamt ist die momentane Lage bezüglich Fallzahlen und Hospitalisierungen in der Schweiz mit der Lage in Österreich vor 3-5 Wochen vergleichbar. Auch die IPS-Belegungen in der Schweiz und in Österreich nehmen aktuell mit einer ähnlichen Rate zu, was sich darin zeigt, dass in einer Darstellung mit logarithmischer Skala die Kurven der IPS-Belegung im Moment annähernd parallel verlaufen (Abbildung 7).  Die IPS-Belegung mit COVID-19 Patient:innen war in Österreich aber schon vor 3 Wochen höher als aktuell in der Schweiz (Abbildung 7).

Abbildung 7: Entwicklung der Fallzahlen (links), der Anzahl hospitalisierter COVID-19-Patient:innen (Mitte) und  der Anzahl COVID-19-Patient:innen in Intensivpflege (rechts) in der Schweiz und Österreich in einer Darstellung mit einer logarithmischen vertikalen Skala. In dieser Darstellung folgen die logarithmierten Fallzahlen und Hospitalisationen im November für Österreich und die Schweiz weitgehend geraden und parallelen Linien. Das bedeutet, dass in beiden Ländern die Zahl der neuen bestätigten Fälle pro Tag und der Hospitalisationen pro Tag ähnlich schnelles exponentielles Wachstum zeigt. Die aktuelle Situation in der Schweiz (am 23.11.2021) entspricht etwa der Situation in Österreich vor drei Wochen bezüglich den Fallzahlen und vor fünf Wochen bezüglich den Hospitalisationen. Aktuell (am 23.11.2021) ist die Anzahl COVID-19-Patient:innen in Intensivpflege in der Schweiz tiefer als die Anzahl in Österreich vor drei oder fünf Wochen. OWID

4. IPS Kapazitäten

Im Folgenden geben wir eine Einschätzung zur Behandlung von Patient:innen auf Intensivstationen in Abhängigkeit von der Zahl der behandelten COVID-19- Patient:innen. Der Abschnitt basiert auf Experteneinschätzung von Hans Pargger (Universitätsspital Basel) und auf Information aus der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin.      

Einzelne Intensivstationen sind auch ohne eine zusätzliche Belastung durch COVID 19 Patient:innen an einzelnen Tagen zu 100% gefüllt. Gründe dafür sind unplanbare Ereignisse wie Notfälle und das Auftreten von Komplikationen sowie das nur teilweise voraussagbare Ansprechen der Patient:innen auf eine Therapie. Dieses vollständige Ausschöpfen von vorhandenen Intensivbettenkapazitäten ist immer zeitlich begrenzt und tritt jeweils lokal in einzelnen Intensivstationen auf. Belastungen dieser Art wurden schon immer durch ein Verschieben von geplanten Interventionen und Verschiebungen von Patient:innen gemeistert, während gleichzeitig Notfälle in andere Institutionen umgeleitet wurden.

Die Zahl der Nicht-COVID-19 Patient:innen auf den Intensivpflegestationen kann nicht unter 450 bis 500 reduziert werden. Mit dem Zusatzbedarf an Intensivkapazitäten wegen COVID 19 konnte man in der Schweiz während der 2. Welle von November 2020 bis Januar 2021 sehen, dass mit moderat reduzierter Interventionstätigkeit der Bedarf an Intensivbetten für Nicht-COVID 19 Patient:innen für einige Zeit auf 450 bis 500 Betten gesenkt werden kann. Mit einem totalen Stopp von nicht dringlichen Eingriffen liess sich diese Zahl während 3 Monaten (Mitte November 2020 bis Mitte Januar 2021) auf 350 Betten senken. Dadurch kam es zu einem substantiellen Rückstau von planbaren Interventionen und mutmasslicher Benachteiligung von Nicht-COVID 19 Patient:innen, wie die Analyse von Schweizer Daten zeigen[69]. Ähnliche Effekte wurden auch in anderen Ländern beobachtet[70].

Abbildung 8: Anzahl Patient:innen die wegen COVID-19 (orange) und wegen anderen Gründen (grün) auf Schweizer Intensivstationen behandelt wurden, für den Zeitraum vom 1.11.2020 bis 18.11. 2021. Diese Abbildung illustriert, wie ein Anstieg der Zahl der COVID-19-Patient:innen jeweils mit einer Reduktion der nicht-COVID19-Patient:innen verbunden war, die intensivmedizinisch behandelt wurden.

Die Anzahl COVID-19 – Patient:innen auf Schweizer Intensivstationen beträgt aktuell (am 21.11.2021) 158 [71] und steigt momentan 20% (95% UI: 12-28%) pro Woche[72]. Eine Belegung mit COVID-19 Patient:innen in dieser Grössenordnung kann normalerweise bewältigt werden, wobei nun zunehmend mit Verlegungen und Engpässen lokal und regional zu rechnen ist. Die Situation kann sich sehr schnell verschärfen, wenn es regional zu grösseren Zusatzbelastungen durch neu intensivpflichtige COVID-19 Erkrankte kommt. Es ist dann damit zu rechnen, dass einzelne Interventionen verschoben und Patient:innen von einem Spital in andere verlegt werden müssen.

Sobald mehr als 200 Intensivplätze durch COVID 19 Patient:innen belegt sind, ist mit regelmässigen Transfers von Patient:innen regional und überregional zu rechnen. Gleichzeitig werden die weniger dringlichen Eingriffe verschoben. Die Bettenkapazitäten einzelner Intensivstationen werden dann täglich zu 100% ausgeschöpft. Weiter ist damit zu rechnen, dass bei hoher Inzidenz Mitarbeitende des Gesundheitswesens wegen einer COVID-19 Infektion trotz Impfung in Isolation müssen. Damit wird das noch einsatzfähige Personal erneut über das normale Mass hinaus mit Arbeit eingedeckt, was potentiell zu einem Absinken der Qualität führen kann.

Sind 300 Intensivplätze mit COVID 19 Patient:innen belegt, wird sich das oben beschriebene Szenario weiter verschärfen. Vor allem die überregionalen Transfers werden zunehmen. Ausserdem ist zu erwarten, dass Spitäler versuchen, zusätzliche Betten in Betrieb zu nehmen. Das führt zu einer Verdünnung von Intensivfachpersonal, da keine neuen Fachkräfte rekrutiert werden können. Konsequenzen sind ein Absinken der Behandlungsqualität und eine Zunahme der Mitarbeiterbelastung mit konsekutiven Ausfällen. Durch Einsatz von Hilfspersonal vor allem aus dem Bereich der Anästhesiologie kann ein Teil der Belastung kompensiert werden mit dem Preis, dass der Operationsbetrieb eingeschränkt werden muss. Die Verfügbarkeit von Intensivbehandlungsplätzen wird so knapp, dass Patient:innen mit Indikation für eine Intensivbehandlung länger auf einen Platz warten müssen, dass Patient:innen auf den Intensivstationen früher auf Normalstationen verlegt werden, und dass implizite Triage stattfindet.

Mit 400 und mehr COVID 19 Patient:innen und gleichzeitig zwischen 350 bis 450 Nicht-COVID-Patient:innen sind die mit dem vorhandenen Intensivfachpersonal betreibbaren Intensivbetten gesamtschweizerisch erschöpft. In dieser Situation kommt es zu regelmässigen Verschiebungen von Patient:innen, es werden alle nicht-dringlichen Interventionen gesamtschweizerisch gestoppt, Hilfspersonal wird in grösserem Stil auf den Intensivstationen eingesetzt, es werden ad hoc Betten aufgebaut werden und die Behandlungsqualität wird sinken. Die Intensivstationen werden mit allen Mittel versuchen, eine explizite Triage zu verhindern, mit dem Aufbau von Zusatzkapazitäten und indem sie das Verhältnis zwischen der Anzahl der Behandelnden und der Anzahl Patient:innen massiv reduzieren.

5. Impffortschritt

Im Folgenden zeigen wir die aktualisierten Abbildungen zum Impffortschritt welche im letzten wissenschaftlichen Update[73] ausführlich diskutiert wurden.

Abbildung 9a: Die Zahl der geimpften Personen (x-Achse) und die wöchentliche Rate der Durchimpfung (y-Achse) im Vergleich zum EU-Durchschnitt. Mit der aktuellen Impfgeschwindigkeit erreichen wir an Weihnachten eine Durchimpfung wie sie mit der gestrichelten Linie markiert ist. Auffallend ist, dass in Österreich, wo vor 4 Wochen noch langsamer als die Schweiz geimpft hat[74], die Impfgeschwindigkeit in den letzten Wochen um das 4fache gesteigert wurde. Quelle OWID .

Abbildung 9b: Animierte Darstellung mit zeitlichem Verlauf der Schweiz im Vergleich zu Europa (nur Schweiz und eine Auswahl europäischer Länder sind markiert).

Abbildung 10a: Die Zahl der geimpften Personen (x-Achse) und die wöchentliche Rate der Durchimpfung (y-Achse) der Kantone. Quelle BAG [75].

Abbildung 10b: Animierte Darstellung mit zeitlichem Verlauf der Schweizer Kantone.

6. Die Situation der Kinder und die Lage in den Schulen

In der aktuellen Pandemielage sind die Schutzmaßnahmen an Schulen ein sehr wichtiges Thema. Regelmässiges Testen, das Tragen von Masken sowie Messungen der CO2-Belastung und regelmässiges Lüften sind Voraussetzungen für den Schutz vor unkontrollierten Krankheitsausbrüchen und sollen den Kindern und Jugendlichen die Aufrechterhaltung des Schulalltages und einen normalen Tagesablauf ermöglichen (wissenschaftliches Update 17.8.21, [76] und 21.9.21, [77]; und [78]).

Kinder und Jugendliche sollten vor COVID-19-Infektionen geschützt werden. Dies gleichzeitig als Selbstschutz vor seltenen schweren Verläufen und Long-Covid wie auch als Schutz vor vertikaler Übertragung auf gefährdete Personen. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen einer COVID-Infektion für Kinder und Jugendliche sind auf der Basis der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage nicht zuverlässig beurteilbar [79],[80].

Kinder haben das Recht und die Pflicht, regelmäßig die Schule zu besuchen und viele Eltern sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder tagsüber in Schulen, Horten und Kitas betreut werden, weil sie ihren beruflichen Verpflichtungen nachgehen müssen. Für Kinder unter 12 Jahren steht die Möglichkeit einer Impfung noch nicht zur Verfügung. Sie sind deshalb auf die Solidarität der Erwachsenen angewiesen. Den besten Schutz vor Erkrankung und vor Massnahmen, die die psychosoziale Entwicklung der Kinder beeinträchtigen, bietet nach wie vor die Impfung aller Personen über 12 Jahren einschliesslich der dritten Impfung, insbesondere aller Personen, die im gleichen Haushalt wie die Kinder leben, sowie des Bildungs- und Lehrpersonals.

Quellen:

[1]  https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.11.10.21266166v1.full.pdf

[2]  In Vorbereitung zur Publikation auf unserer Website: Protection duration after vaccination or infection, and efficacy of a third dose by vaccination or booster by infection.

[3]  https://www.covid19.admin.ch/fr/vaccination/persons

[4]  https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-17-august-2021/

[5]  https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-21-september-2021/

[6]  https://www.swissmedic.ch/swissmedic/en/home.html

[7] https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/covid-19-rapid-risk-assessment-16th-update-september-2021.pdf , Seite 17, Figur 9

[8] https://sciencetaskforce.ch/reproduktionszahl/  und https://ibz-shiny.ethz.ch/covid-19-re-international/: Die Schätzungen von Re über die letzten Tage können leichten Schwankungen unterliegen. Diese Schwankungen treten insbesondere in kleinen Regionen, bei sich ändernder Dynamik und bei niederen Fallzahlen auf.

[9] https://ibz-shiny.ethz.ch/covidDashboard/trends:   Aufgrund von Melderverzögerungen werden die letzten 3 respektive 5 Tage für bestätigte Fälle und Hospitalisationen/Todesfälle nicht berücksichtigt.

[10] https://ibz-shiny.ethz.ch/covidDashboard/, Dashboard Time Series

[11] https://icumonitoring.ch

[12] https://www.covid19.admin.ch

[13] https://cov-spectrum.ethz.ch/

[14] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/993358/s1288_Warwick_RoadMap_Step_4.pdf

[15] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1028113/Technical_Briefing_26.pdf

[16] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1028113/Technical_Briefing_26.pdf

[17] https://cov-spectrum.ethz.ch/

[18] https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(21)00475-8/fulltext

[19] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)01358-1/fulltext

[20] https://doi.org/10.1101/2021.07.05.21260050

[21] https://www.gov.il/BlobFolder/reports/vaccine-efficacy-safety-follow-up-committee/he/files_publications_corona_two-dose-vaccination-data.pdf

[22] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)01358-1/fulltext

[23] https://spiral.imperial.ac.uk/bitstream/10044/1/90800/2/react1_r13_final_preprint_final.pdf

[24] https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2034577

[25] https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2035389

[26] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1010472/Vaccine_surveillance_report_-_week_32.pdf

[27] https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2108891

[28] https://doi.org/10.1101/2021.07.05.21260050

[29] https://www.alberta.ca/stats/covid-19-alberta-statistics.htm#vaccine-outcomes

[30] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.09.29.21264199v1.full.pdf

[31] https://www.gov.il/BlobFolder/reports/vaccine-efficacy-safety-follow-up-committee/he/files_publications_corona_two-dose-vaccination-data.pdf

[32] https://www.nature.com/articles/s41467-021-26672-3.pdf

[33] https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3949410

[34] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1010472/Vaccine_surveillance_report_-_week_32.pdf

[35] https://khub.net/web/phe-national/public-library/-/document_library/v2WsRK3ZlEig/view_file/479607329?_com_liferay_document_library_web_portlet_DLPortlet_INSTANCE_v2WsRK3ZlEig_redirect=https%3A%2F%2Fkhub.net%3A443%2Fweb%2Fphe-national%2Fpublic-library%2F-%2Fdocument_library%2Fv2WsRK3ZlEig%2Fview%2F479607266

[36] https://www.gov.il/BlobFolder/reports/vaccine-efficacy-safety-follow-up-committee/he/files_publications_corona_two-dose-vaccination-data.pdf

[37] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.09.29.21264199v1.full.pdf

[38] https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2114228

[39] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1017309/S1362_PHE_duration_of_protection_of_COVID-19_vaccines_against_clinical_disease.pdf

[40] https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3949410

[41] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.09.28.21264260v1.full.pdf

[42] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.07.28.21261295v1.full.pdf

[43] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.08.20.21262158v1

[44] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)02249-2/fulltext

[45] https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2114255

[46] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.11.15.21266341v1.full.pdf

[47] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.09.29.21264089v1.full

[48] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.10.10.21264827v2.full.pdf

[49] https://www.nature.com/articles/s41591-021-01575-4

[50] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)02249-2/fulltext

[51] https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2114255

[52] https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2114255

[53] https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-26-october-2021/

[54] https://sciencetaskforce.ch/wp-content/uploads/2021/06/Protection_Duration16Jun2021_EN.pdf

[55] https://arxiv.org/abs/2111.08000

[56] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.08.24.21262423v1

[57] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1017309/S1362_PHE_duration_of_protection_of_COVID-19_vaccines_against_clinical_disease.pdf

[58] https://sciencetaskforce.ch/wissenschaftliches-update-21-september-2021/

[59] https://sciencetaskforce.ch/wissenschaftliches-update-7-september-2021/

[60] https://sciencetaskforce.ch/wissenschaftliches-update-7-september-2021/

[61] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.08.24.21262423v1

[62] https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1017309/S1362_PHE_duration_of_protection_of_COVID-19_vaccines_against_clinical_disease.pdf

[63] https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2114255

[64] https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-26-october-2021/

[65] https://www.covid19.admin.ch

[66] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.08.24.21262423v1

[67] https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/70/wr/mm7037e3.htm

[68] https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-26-october-2021/

[69] https://sciencetaskforce.ch/en/policy-brief/the-double-burden-of-operating-near-intensive-care-saturation-in-switzerland/

[70] https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0253875

[71] https://www.covid19.admin.ch/de/hosp-capacity/icu

[72] https://ibz-shiny.ethz.ch/covidDashboard/

[73] https://sciencetaskforce.ch/wissenschaftliches-update-26-oktober-2021/

[74] https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-26-october-2021/

[75] http://www.covid19.admin.ch

[76] https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-17-august-2021/

[77] https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-21-september-2021/

[78] https://smw.ch/article/doi/smw.2021.w30086

[79] https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/46_21.pdf?__blob=publicationFile

[80] https://sciencetaskforce.ch/en/scientific-update-of-17-august-2021/