16. Juni 2020 – Policy Brief

Analyse der Zunahme der Arbeitslosigkeit während der Pandemie

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Dieser Text ist eine Zusammenfassung des originalen Policy Brief (auf Englisch).

Die Coronakrise hat eine beispiellose Zunahme der Arbeitslosigkeit in der Schweiz ausgelöst, die sich jedoch auf die Kantone unterschiedlich auswirkt. Die flankierenden Massnahmen haben die Auswirkungen abgefedert und sollten beibehalten werden.

Der Lockdown und der Rückgang der Exporte hatten gravierende Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Vier von zehn Unternehmen mussten ihre Aktivität einstellen; zwei von zehn geben an, stark betroffen zu sein. Die Krise provozierte einen extrem schnellen Anstieg der Arbeitslosigkeit: vom Beginn des Lockdowns bis Mitte März 2020 ist sie von 150 000 auf 180 000 Personen gestiegen, was einer Zunahme von 20 Prozent entspricht.

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit setzt sich zusammen aus 45 000 im Vergleich zum saisonalen Durchschnitt überzähligen Arbeitssuchenden sowie 19 000 weniger Personen als im Normalfall, die zwischen März und Mai 2020 wieder einen Arbeitsplatz gefunden haben. Die Krise hat also die Rückkehr der Arbeitslosen auf den Arbeitsmarkt verlangsamt. Eine längere Arbeitssuche kann für die Betroffenen entmutigend sein. Im April 2020 haben Arbeitssuchende 10 Prozent weniger Zeit dafür investiert als vor der Krise, was sich teilweise durch die Notwendigkeit der Kinderbetreuung zu Hause erklären lässt.

Die Zahl der offenen Stellen sank zwischen Mitte März und Mitte April von 210 000 auf 170 000. Die kumulative Anzahl der arbeitssuchenden Personen überstieg in drei Monaten das normale Mass um 60 000 Einheiten. Dieser Anstieg ist wesentlich schneller als während der Finanzkrise von 2008: Damals stabilisierte sich die Zahl etwa ein Jahr nach Beginn der Krise und lag zwei Jahre später wieder bei Null. Das hängt damit zusammen, dass die Krise von 2008 den Weg aus der Arbeitslosigkeit weniger stark verzögerte als dies bei der Coronakrise der Fall ist.

Sehr viele Unternehmen haben sich für Kurzarbeit entschieden. Bei dieser übernimmt die Arbeitslosenversicherung 80 Prozent des Verdienstausfalls der Arbeitsnehmenden. Mehr als jeder dritte Angestellte wurde in Kurzarbeit versetzt, die höchste jemals in diesem Land verzeichnete Quote. Unternehmen wenden Kurzarbeit dann an, wenn sie annehmen, dass die Auswirkungen der Krise vorübergehender Natur sind; dort wo langfristige Auswirkungen befürchtet werden, werden Arbeitnehmende eher entlassen und beziehen dann Arbeitslosengelder.

Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt unterscheiden sich nach Branche und Landesregion stark. Die Zentralschweiz ist weniger stark betroffen. Die Kurzarbeitsquote ist besonders hoch in Kantonen mit intensiver industrieller Produktion (BS, NE, JU, AI, AG, LU). Die Arbeitslosigkeit betrifft sowohl die Kantone mit hoher touristischer Aktivität (GR, VS, VD, GE) als auch diejenigen, die am stärksten von Covid-19 betroffen sind (TI, GE, VD, BS), vermutlich weil dort Bevölkerung und Firmen ihre Wirtschaftsaktivitäten stärker eingeschränkten. Die Grenzkantone litten überdies unter den Folgen der Grenzschliessungen.

Der Arbeitsmarkt hat sich stabilisiert, die Arbeitslosigkeit könnte jedoch das Niveau der Finanzkrise von 2008 übertreffen. Die staatliche Unterstützung der Teil- und Vollarbeitslosigkeit hat die Auswirkungen der Krise abgefedert und sollte beibehalten werden. Weitere Massnahmen, insbesondere zur Reallokation von Arbeitnehmern zwischen verschiedenen Branchen, könnten eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

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Date of response: 16/6/2020

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Expert groups and individuals involved: Economics

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