ETH Hönggerberg, Werner, fotografiert am Montag (13.11.2017) Bild: Christoph Kaminski, kellenbergerkaminski

Epidemiologische Lagebeurteilung, 2. Februar 2021

Allgemeine Situation

Dynamik

Über die ganze Schweiz zeigt die SARS-CoV-2-Epidemie für Anfang Januar einen rückgängigen und für Mitte Januar einen stabilen bis leicht rückgängigen Verlauf. Die Schätzungen der effektiven Reproduktionszahl Re betragen1:
  • 0,98 (95% Unsicherheitsintervall, UI: 0,84-1,12) aufgrund der bestätigten Fälle, per 22.01.2021.
  • 0,66 (95% UI: 0,49-0,81) aufgrund der Hospitalisationen, per 17.01.2021. Zum Vergleich aufgrund der bestätigten Fälle wird Re für denselben Tag auf 0,97 (95% UI: 0,87-1,07) geschätzt.
  • 0,81 (95% UI: 0,64-1) aufgrund der Todesfälle, per 10.01.2021. Zum Vergleich aufgrund der Hospitalisationen wird Re für denselben Tag auf 0,76 (95% UI: 0,67-0,85) geschätzt. Aufgrund der bestätigten Fälle wird Re für denselben Tag auf 0,86 (95% UI: 0,78-0,96) geschätzt.
Wegen Meldeverzögerungen und Fluktuationen in den Daten könnten die Schätzwerte nachkorrigiert werden. Wir weisen darauf hin, dass die Re Werte das Infektionsgeschehen vor 10 Tagen bis mehreren Wochen widerspiegelt aufgrund der Verzögerung von Infektion und Eintreten eines Ereignis (Fallbestätigung, Hospitalisationen, Todesfall). Eine Betrachtung der sieben Grossregionen der Schweiz zeigt, dass dort die Trends stabil bis rückläufig sind. Die Analyse wird gestützt durch die beobachteten Verdopplungs- bzw. Halbwertszeiten der bestätigten Fälle, Hospitalisationen und Todesfälle über die letzten 14 Tage2. Die bestätigten Fälle änderten sich um -22% (UI: -11% bis -31%) pro Woche, die Hospitalisierungen um -34% (UI: -25% bis -41%) und die Todesfälle um -19% (UI: -5% bis -32%). Diese Werte spiegeln das Infektionsgeschehen vor mehreren Wochen wider.

Absolute Zahlen

Die kumulierte Anzahl der bestätigten Fälle über die letzten 14 Tage liegt bei 296 pro 100’000 Einwohner. Die Positivität liegt bei 10,4% (Stand 31.01.2021, Tendenz abnehmend; Re basierend auf Positivität für 22.01.2021 ist 0,81 (95% UI: 0,69-0,91)). Die Anzahl der COVID-19-Patienten auf Intensivstationen lag über die letzten 14 Tage im Bereich von 283-3413 Personen (die Änderung war -11% (UI: -4% bis -17%) pro Woche). Die Zahl der täglichen Todesfälle über die letzten 14 Tage war zwischen 27-594. Seit dem 1. Oktober 2020 weist das Bundesamt für Gesundheit 6’904 laborbestätigte Todesfälle aus5. Die Kantone meldeten in dieser Zeit 7’502 Todesfälle6. Die Sterblichkeitsstatistik vom Bundesamt für Statistik weist seit Kalenderwoche 43 in 2020 eine deutliche Übersterblichkeit in der Altersgruppe 65 Jahre und älter auf7. Diese Übersterblichkeit nimmt ab, ist aber in den folgenden grossen Regionen der Schweiz immer noch sichtbar: Ostschweiz, Zürich, Zentralschweiz und Tessin8.

Neue Varianten

In der Schweiz sind die ursprünglich in Grossbritannien und Südafrika beschriebenen Varianten B.1.1.7 und 501.V2 erstmals in Kalenderwoche 51 des Jahres 2020 identifiziert worden. Epidemiologische Analysen und Daten aus der Kontaktverfolgung weisen darauf hin, dass diese Varianten eine höhere Übertragungsrate haben als die bislang bekannten Stämme von SARS-CoV-29. Die genetische Charakterisierung von Zufallsstichproben aus positiv getesteten Menschen von Testlabors sowie die systematische genetische Charakterisierung von Proben im Referenzlabor in Genf erlaubt, die Häufigkeit von Infektionen mit diesen Varianten in der Schweiz über die Zeit zu verfolgen. Der Anteil dieser Varianten an allen Infektionen nahm seit dem ersten Nachweis kontinuierlich zu. In Kalenderwoche 3, 2021 (ab dem 18.01.2021) wurde die Häufigkeit von B.1.1.7 in der Schweiz auf etwa 10% geschätzt (95% Unsicherheitsintervall 8% bis 12%; das reflektiert das Infektionsgeschehen etwa 10 Tage früher10).

Hinweise:

[1] https://sciencetaskforce.ch/reproduktionszahl/ und https://ibz-shiny.ethz.ch/covid-19-re-international/: Die Schätzungen von Re über die letzten Tage können leichten Schwankungen unterliegen. Diese Schwankungen treten insbesondere in kleinen Regionen, bei sich ändernder Dynamik und bei niederen Fallzahlen auf. Aufgrund der verwendeten Methodik kann die tatsächliche Unsicherheit um die Schätzwerte nicht immer vollständig dargestellt werden.

[2] https://ibz-shiny.ethz.ch/covidDashboard/trends: Aufgrund von Meldeverzögerungen werden die letzten 3 respektive 5 Tage für bestätigte Fälle und Hospitalisationen/Todesfälle nicht berücksichtigt.

[3] https://icumonitoring.ch

[4] https://www.covid19.admin.ch

[5] https://www.covid19.admin.ch

[6] https://github.com/openZH/covid_19 und https://github.com/daenuprobst/covid19-cases-switzerland

[7] https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/sterblichkeit-todesursachen.html

[8] https://www.experimental.bfs.admin.ch/expstat/de/home/innovative-methoden/momo.html

[9] https://sciencetaskforce.ch/wp-content/uploads/2021/01/Wissenschaftliches_Update14Jan21-DE-1.pdf

[10] https://sciencetaskforce.ch/nextstrain-phylogentische-analysen/