26. November 2020

 – Policy Brief

Überlegungen zur Verkürzung der Quarantänedauer

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Dieser Text ist eine Zusammenfassung des originalen Policy Brief (auf Englisch).

Eine Reduzierung der Quarantänedauer verringert deren Fähigkeit, eine weitere Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu stoppen. Die Wirksamkeit der Quarantäne lässt sich teilweise aufrechterhalten, wenn sie nur bei Vorliegen eines negativen Testresultates abgebrochen wird, und zwar umso mehr, je später der Test erfolgt.

Eine zehntägige Quarantäne wird in der Schweiz derzeit in zwei Fällen angeordnet: für Personen, die in engem Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall standen, und für solche, die aus einem Land mit erhöhtem Ansteckungsrisiko zurückkehren. Wir evaluieren hier die epidemiologischen Auswirkungen der Quarantänedauer, mit oder ohne Tests. Unser Modell stützt sich insbesondere auf die Inkubations- und Infektionszeiten des Virus und den Zeitraum zwischen Symptomen, Testergebnissen und Quarantäne.

Unsere Analyse zeigt, dass mit einer Verlängerung der Quarantänedauer über die derzeitigen zehn Tage hinaus praktisch kein Nutzen verbunden wäre, während eine Verkürzung der Dauer den Anteil der durch die Quarantäne vermiedenen Infektionen deutlich verringern würde. Wird eine Quarantäne aufgrund eines möglichen Kontakts mit einer positiv getesteten Person angeordnet, so ist sie um so wirksamer, je schneller sie umgesetzt wird.

Eine Möglichkeit wäre es, unter Quarantäne gestellte Personen zu testen und bei negativem Befund zu entlassen. Dies würde die Dauer der Quarantäne verkürzen, gleichzeitig aber auch ihre Fähigkeit verringern, weitere Übertragungen zu unterbinden, und zwar umso mehr, je früher der Test durchgeführt wird. Gemäss unseren Analysen bliebe die Wirksamkeit praktisch vollständig erhalten, wenn am 6. Tag der Quarantäne getestet würde, bei einem Test am 4. Tag hingegen würde sie deutlich reduziert (von 29 % bis 58 % nach unserem Modell). Leicht abgeschwächt würde diese Abnahme, wenn die infolge eines negativen Tests vorzeitig aus der Quarantäne entlassenen Personen die Präventionsmassnahmen besser befolgen.

In Genf durchgeführte Studien deuten auf eine deutlich höhere Prävalenz von SARS-Cov-2 bei Personen hin, die nach der Rückkehr aus einem Risikoland unter Quarantäne gestellt wurden, als in der Allgemeinbevölkerung (Ende September 2020). Je kürzer der Auslandaufenthalt, desto stärker würde eine Verkürzung der vorgesehenen Dauer die Wirksamkeit der Quarantäne verringern. Die Durchführung eines Tests bei der Ankunft in der Schweiz würde selbst bei längeren Reisen nur einen geringen Bruchteil der zukünftigen Virusübertragungen verhindern. Hingegen zeigt unser Modell, dass ein am 6. Tag nach der Rückkehr durchgeführter Test die Wirksamkeit einer zehntägigen Quarantäne erhalten würde.

Eine Verkürzung der Quarantänezeiten, mit oder ohne Tests, sollte einzig als Teil eines koordinierten Vorgehens auf nationaler Ebene in Betracht gezogen werden, dass weitere Massnahmen zum Ausgleich des erwarteten Anstiegs der Fallzahlen umfasst. Der Nutzen dieser Strategie müsste besser kommuniziert werden sowie mit einer verstärkten Einhaltung der Quarantäneregeln und der Präventionsmassnahmen nach deren Ende einhergehen. Um die Auswirkung der Quarantänedauer auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Schweiz besser abschätzen zu können, empfehlen wir Kantonen und Bund entsprechende Studien in Auftrag zu geben.

Date of request:
Date of response: 30/9/2020

Experts involved: Sebastian Bonhoeffer, Nicola Low, expert group Data and Modelling and other expert groups

Contact persons: Sebastian Bonhoeffer