17. Dezember 2020

Eine aktualisierte Version wird im Februar 2021 zur Verfügung gestellt.

Empfehlungen für Tests und Quarantänen bei Kindern

Dieser Text ist eine Zusammenfassung des originalen
Policy Brief (auf Englisch)
Das Grundrecht auf Bildung muss so weit wie möglich gewahrt bleiben. Schulschliessungen sollen nur als äusserste Massnahme bei hohen Ansteckungsraten angeordnet werden. Bei der derzeitigen Regelung besteht die Gefahr, dass zahlreiche Kinder in Quarantäne geschickt werden, was mit beträchtlichen sozialen Folgen verbunden ist. Da Schulen nicht Haupttreiber der Epidemie sind, empfehlen wir gezieltere Quarantäneregeln. Sollte die Testkapazität ausgelastet werden, könnten etwas schwerere Symptome vorausgesetzt werden, bevor bei einem Kind ein Test angeordnet wird.

Die offiziellen Empfehlungen sehen vor, dass Kinder auf Covid-19 getestet werden, wenn sie während mehr als drei Tagen Symptome aufweisen oder wenn eine Kombination von Fieber und Symptomen vorliegt. Eine Quarantäne wird nach einem engen Kontakt mit einem positiven Fall (während 15 Minuten bei weniger als 1,5 Meter Abstand) angeordnet. Der Kantonsarzt kann eine Klasse unter Quarantäne stellen, wenn Verdacht auf eine Übertragungskette im Klassenverband besteht. Zum Beispiel wenn ein Kind positiv getestet wird und in den zwei Wochen vor dem Auftreten seiner Symptome die Lehrperson sowie mehr als zwei weitere Kinder erkranken.

Diese Regelung hat zwei Nachteile. Der Winter wird zahlreiche nicht SARS-Cov-2-bedingte Erkältungen mit sich bringen. Da diese oft länger als drei Tage dauern, dürften sie zu sehr vielen Covid-19-Tests führen, was die Testkapazitäten des Landes wegen Personalmangels an den Anschlag bringen könnte. Zweitens wird sich die hohe Zahl von angeordneten Quarantänen negativ auf die schulische, psychologische und soziale Entwicklung der Kinder auswirken, insbesondere in Familien mit bescheidenem Einkommen. Auch die Eltern sind von dieser Situation betroffen.

Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Kinder unter 12 Jahren ein geringeres Risiko haben als Erwachsene, CoV-2 SARS zu übertragen oder sich damit anzustecken und weniger virulente Symptome entwickeln. Schulen sind keine Haupttreiber der Epidemie und Kinder scheinen sich hauptsächlich zu Hause und nur selten im Klassenzimmer anzustecken (und dann eher bei Lehrpersonen als bei anderen Kindern).

In diesem Kontext empfehlen wir, die derzeitige Regelung wie folgt zu lockern: Kinder bleiben weiterhin zu Hause, solange sie krank oder symptomatisch sind. Sie werden bei Auftreten von Symptomen, nach engem Kontakt mit einem positiven Fall, während einer durch den Kantonsarzt durchgeführten epidemiologischen Studie oder bei der Aufnahme ins Krankenhaus getestet. Sollte die Testkapazität wegen Personalmangels erschöpft sein, könnten etwas schwerere Symptome vorausgesetzt werden, bevor bei einem Kind ein Test angeordnet wird. Wird in einer Klasse nur ein Kind positiv getestet, wird eine Quarantäne nicht für die gesamte Klasse angeordnet, sondern nur für Schulkameraden, mit denen es in engem Kontakt stand, wie z. B. Banknachbarn, oder für Freunde, mit denen es viel Zeit verbracht hat, usw.

Wir empfehlen klare nationale Regeln für Tests und Quarantänen. Zudem sollte die Entscheidung nicht den Schulen oder den Eltern überlassen, sondern von den Kantonsärzten getroffen werden. Wir empfehlen folgende Präventivmassnahmen: Hygieneregeln, Lüftung von Innenräumen, Gesichtsmasken für Lehrpersonen, Reduzierung der Vermischung von Kindern aus verschiedenen Klassen (ausserhalb des regulären Unterrichts). Im Fall hoher regionaler Inzidenzraten sollte der Unterricht auf der Sekundarstufe II auf Distanz stattfinden.

Date of request: 23/10/2020

Date of response: 10/12/2020

In response to request from: NCS-TF Advisory Board

 

Expert groups and individuals involved: All with Public Health in lead

Contact persons: Margarethe Wiedenmann, Marcel Tanner, Roman Stocker