15. Mai 2020 – Policy Brief

Digitales Proximity Tracing (SwissCovid App)

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Dieser Text ist eine Zusammenfassung des originalen Policy Brief (auf Englisch).

Personen, die durch einen Träger des Coronavirus infiziert sein könnten, müssen identifiziert werden, bevor sie ihrerseits das Virus weitergeben. Das digitale Proximity Tracing mittels einer App mit dezentraler Funktionsweise, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die SwissCovid App (zurzeit noch in Testphase) soll dazu beitragen, möglicherweise infizierte Personen rasch zu identifizieren und sie unter Quarantäne stellen zu können, bevor sie das Virus weitergeben. Indem sie alle jene informiert, die sich unwissentlich in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben, ergänzt dieses digitale Tool das klassische Zurückverfolgen von Infektionsketten mittels Befragungen.

Die App arbeitet dezentral, ohne dass die Benutzer identifiziert werden. Sie verwendet Bluetooth, um die Distanz zwischen Mobiltelefonen zu schätzen. Sie hat keinen Zugriff auf die auf dem Smartphone gespeicherten Daten und speichert weder persönliche Informationen noch GPS- Ortungsdaten. Ausserdem werden keine Personendaten auf einem Server zentral gespeichert. Die App kann normalerweise eine Wand zwischen zwei Smartphones erkennen, eine Plexiglasscheibe oder ob ein Nutzer eine Maske trägt hingegen nicht.

Wir empfehlen, dass alle Stufen ihrer Nutzung vollständig freiwillig erfolgen: die Installation, das
Ein- oder Ausschalten der Bluetooth-Funktion, aber auch der Entscheid, ein positives Testresultat
bekannt zu machen. In diesem Fall wird der App-Benutzer dazu ermutigt (aber nicht verpflichtet)
zum Erfolg des digitalen Proximity Tracing beizutragen, indem er einen Code hochlädt, der das
Resultat des Tests belegt. Alle übrigen App-Benutzer, die sich vor kurzem länger als fünfzehn
Minuten in einem Umkreis von zwei Metern vom Smartphone der positiv getesteten Person
aufgehalten haben und auf deren Gerät die entsprechende Funktion aktiviert ist, erhalten
daraufhin die Meldung, dass sie potenziell infiziert sein könnten. Sie werden aufgefordert, sich an
die Hotline des Bundesamtes für Gesundheit zu wenden.

Ziel und Zweck der App ist es, die Strategie «Testen, Rückverfolgung, Isolation und Quarantäne»
(TRIQ) zu unterstützen, die darauf abzielt, infizierte Personen zu isolieren und möglicherweise
Infizierte unter Quarantäne zu stellen. Selbst wenn sie bei guter Gesundheit ist, sollte eine
durch die App identifizierte Kontaktperson dazu ermuntert werden, sich in Quarantäne zu
begeben. Tatsächlich scheint die Hälfte der Übertragungen auf Virusträger zurückzugehen, die
noch keine Covid-spezifischen Symptome aufweisen.

Die freiwillige Basis der App ist notwendig, um die individuelle Autonomie zu respektieren und
damit die Menschen ihr vertrauen, sie akzeptieren und nutzen. Sie sollten sich zur Nutzung der App
nicht gezwungen fühlen (z.B. durch ihren Arbeitgeber), was rechtliche und soziale
Schutzmassnahmen erfordert. Die App kann dazu beitragen, die Epidemie einzudämmen, selbst
wenn sie nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung genutzt wird.

Die Öffentlichkeit sollte dazu eingeladen werden, zu den durch die App aufgeworfenen Fragen
Stellung zu nehmen und eine unabhängige Stelle sollte ihre Anwendung überwachen. Die
dezentrale Funktionsweise der App schliesst die Untersuchung von Einzelfällen aus, hingegen ist
es möglich und wichtig zu analysieren, wie sich die digitale Rückverfolgung auf die Eindämmung
der Epidemie auswirkt. Sie muss daher mit der herkömmlichen Rückverfolgung verglichen und der
Anteil der erfassten und anschliessend positiv auf Covid-19 getesteten Kontakte muss quantifiziert
werden.

Siehe auch die Zusammenfassungen Strategie «Testen, Rückverfolgung, Isolation und Quarantäne» (TRIQ),
Soziale, ethische und rechtliche Aspekte der TRIQ-Strategie und Wirtschaftliche Aspekte der TRIQ-Strategie.

Date of publication: 15/05/202

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Expert groups and individuals involved: Digital Epidemiology & Contact Tracing

Contact persons: Marcel Salathé, Viktor von Wyl, Effy Vayena, Edouard Bugnon